Janine & Tom Plüss

el fuego por viajar

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Am Ende der Carretera Austral

5. Januar 2010

Heute sind wir nach einem Monat auf dem Velo in Villa O´Higgins angekommen: das südliche Ende der Carretera Austral.

Die Carretera Austral - frei übersetzt "Süd-Autobahn" - ist eine Strasse, die durch das chilenische Patagonien von Norden nach Süden führt. Die Strecke ist geprägt von einfacher Lebensweise und  viel Natur mit noch mehr Wasser in Form von Flüssen, Bächen, Wasserfällen und Niederschlag.

Viele Auf und Abs auf Kiesstrasse

Total haben wir seit Bariloche mehr als 1400 km in die Pedalen getreten, das Meiste davon auf Kiesstrassen in unterschiedlichster Ausprägung und viele Höhenmeter in unzähligen Auf und Abs.

Wie wir uns vorgenommen haben, sind wir südwärts geradelt: die erste Woche in Argentinien, später in Chile.

Die erste Panne hatten wir bereits nach wenigen Tagen. Nicht etwa Velo-technisch, nein, unser treuer Benzin-Kocher hatte eine "Aorta-Thrombose" (Verschluss der Haupt-Versorgungs-Leitung). Wir beschliessen deshalb einen Umweg über Esquel zu machen, was sich als eine gute Lösung herausstellte. Verschiedene Mecanicos versuchten uns weiterzuhelfen - leider ohne Erfolg - wirklich weiter brachte uns jedoch die Pizza mit viel Käse und der Kauf eines neuen Kochers. 24 Stunden später überquerten wir die Grenze nach Chile.

Staubig-sandige Angelegenheit

Bereits auf der ersten Abfahrt nach Villa St. Lucia erlebten wir das ganze Spektrum von Strassenverhältnissen, welches uns auf den nächsten 1000 km erwartet: Asphaltiert sind nur kurze Abschnitte; Naturstrassen gibt es von glatter, harter Sandpiste über holprigem zu schottrigem zu wellblechartigem Kiesweg. Das Bike von Janine wäre oft recht eifersüchtig, wenn es wüsste, was wir so fahren. Dagegen nehmen wir und unsere Stahl-Esel die wenigen asphaltierten Strecken mit Freuden entgegen.

Auch mit guter Planung der Versorgungsmöglichkeiten, werden wir mit geschlossenen Supermercados und leeren Panaderias konfrontiert und lernen schnell, etwas mehr Vorrat in unseren Saccochen zu bunkern. Dafür stellt sich das patagonische Wasser als hervorragend heraus und wir können von fast jedem kleinen Bächlein unsere Trinkflaschen füllen.

Eine der grossen Herausforderungen, die sich an uns stellte war das Wetter: Kaum haben wir die warmen Kleider verstaut, müssen wir bereits wieder mit dem nächsten Schauer rechnen. Weil das Wetter sich so schnell verändert, konnte es sein, dass wir das gesamte Kleidersortiment an einem einzigen Tag brauchten. Meistens hatten wir Glück und die Sonne kam wenigstens einmal pro Tag zum Vorschein, dann jeweils so stark, dass wir das meiste Material trocknen konnten. So führte uns das Wetter manchmal an der Nase herum und brachte uns fast an unsere Grenzen, belohnte uns aber auch wieder mit schönen Naturschauspielen, wie Regenbogen und Lichtspielen.

Sonne, Wind und Regenschauer sind sehr nahe beieinander

Patagonien bietet viele wunderschöne Plätze, welche uns als Zeltplätze dienten. Wenn nach ein paar Tagen jedoch alles feucht war, haben wir es doch vorgezogen ein festes Dach über dem Kopf zu leisten. Praktisch sind hier die sog. "Hospedajes": einfache, familiäre Unterkünfte, welche vergleichbar teuer wie Jugendherbergen sind.

Morgen geht es bereits weiter auf eine Grenzüberquerung nach Argentinien zurück: Zuerst mit dem Boot über den Lago O´Higgins, dann zuerst auf einem Karr-, später auf einem Wanderweg über einen Pass in die Region des Berges "Fitz Roy".

Unsere treuen Begleiter

 

Unsere Strecke:

Bariloche - El Bolson - Nationalpark "Los Alerces" - Esquel - Trevelin - Grenze Argentinien-Chile - Futaleufu - Villa St. Lucia - La Junta - Puyuhuapi - Mañihuales - Coihaique (grössste Stadt in Süd-Chile) - Villa Cerro Castillo - Puerto Rio Tranquillo - Puerto Bertrand - Cochrane - Caleta Tortel - Puerto Yungay - Villa O´Higgins

 

Statistik:

1475 km

11 kmh durchschnittliche Geschwindigkeit

20 - 95 km Tagesleistung, meistens zwischen 50 und 60 km

72 kmh Höchstgeschwindigkeit (auf Teer, mit Rückenwind, optimaler Neigung und Volllast)

5 Uebernachtungen in Hospedajes

3 Uebernachtungen in Schutzhuetten, o.ae.

24 Uebernachtungen im Zelt, 18 davon "wild", 1 davon mit Schnee

1 Uebernachtung unter freiem Himmel

1 Platten